Erstellt am 16. November 2009

Warum Handy-Gespräche dumm sein müssen

Wir kennen es alle: da sitzen wir im Zug, Bus oder Restaurant und müssen uns dauernd von irgendwelchen Handy-Smalltalks im Hintergrund drein reden lassen. Dabei sind die Informationen, die da per Telefon überbracht werden eigentlich kaum solche (nach der Definition von “Information” her): Information vermittelt einen Unterschied. Information muss relevant sein, um als solche zu gelten. Irrelevante Information gibt es definitionsgemäss nicht.
Es war für den Menschen schon immer schwieriger, wichtige Gespräche übers Telefon zu führen. Stehen wichtige Ziele und Diskussionen an, so ist es unumgänglich, dies auf persönlicher Ebene zu tun – in einer Sitzung, bei einem Gespräch im Café, …
Was also ist Sinn und Zweck von der Möglichkeit, stets telefonisch erreichbar zu sein und wieso können viele nicht mehr darauf verzichten?

Für mich liegt der Schlüssel dazu einerseits in der Sozialisierung: es geht nicht in erster Linie um den Inhalt, sondern darum, sich in einer Gemeinschaft mit zu teilen: “Hallo, hier bin ich und ich spreche deine Sprache.” Vor allem jüngere Handy-Junkies fallen in diesen Bereich. Was früher das Dorfgespräch war oder der Smalltalk auf Parties, ist heute das Geplänkel per Telefon. Ausserdem sind wir gar nicht in der Lage, vielschichtige Gespräche über den Äther zu führen. Wichtige Faktoren wie Körpersprache, Interaktion, Nähe, … fehlen. Zu schnell wird man da falsch verstanden und reitet sich vielleicht gerade dadurch in die nächste Katastrophe.
Und ganz klar, ist es in einer globalen Welt für einige unumgänglich, wichtige Termine schnell und überall zu organisieren/abzusagen. Ich denke jedoch, dass Leute aus diesem Bereich eindeutig in der Minderheit sind.

Erstaunlich ist es schon: vor 10-15 Jahren war das Bedürfnis nach der ständigen Erreichbarkeit kaum präsent. Die Telefongesellschaften haben hier wunderbar ein Bedürfnis geweckt, welches kaum vorhanden war.

Auf die Gruppe, für welche das Handy ein Statussymbol (oder sagen wir auch “Phallussymbol”) ist, möchte ich hier nicht näher eingehen. Doch auch bei dieser gilt: es spielt keinerlei Rolle, was gesagt wird.

Wir sehen also: für den Grossteil (ich schätze bestimmt über 90% aller Handybenutzer) ist der Informationsgehalt des Gesprächs absolut unbedeutend. Nicht nur das: durch die Schwierigkeit, wirklich wichtige Gespräche über das Telefon zu führen, ist es sogar wünschenswert, dass die Nachricht vollkommen irrelevant ist. Das Problem dabei: bei diesen Gesprächen handelt es sich um akustischen Müll, den ich nicht haben will.

Liebe Leute, bitte zügelt euren Smalltalk bitte wieder etwas öfter in Cafés und Bars. Da gibt’s auch noch was zu trinken dazu ;-)

Die Kommunikationsmöglichkeiten haben sich extrem vervielfältigt, dadurch hat sich aber gleichwohl der relative Informationsgehalt drastisch verschlechtert. Facebook und Co. helfen da nicht gerade und falls google diese Informationen nicht in den Griff bekommt, wird es den Untergang für den Suchmaschinenanbieter bedeuten. Halleluja!


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2 Kommentare

  • roymantel sagt:

    hmmm….das phallussymbol trifft wohl bei den smartphones nicht zu, oder? wäre eher ein brieftaschen-symbol.
    die verdummung, denke ich, ist vorwiegend temporär, vor allem bei der jugend. erstens haben sie bei den meisten arbeitsstellen gar keine zeit mehr, ständig zu kommunizieren. zweitens wird die leere nach den gesprächen grösser und grösser bis sie schliesslich zu übelkeit und anschliessender partieller heilung führt. nach 20 bis 30 rückfällen löschen die einen ihr facebook-konto, andere suchen echte freunde und noch andere nehmen drogen. also nichts besonderes, oder?

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  • R. Maag sagt:

    Das Telefonino (‘Handy’, war/ist der Name eines Geschirrspühlmittels der Migros), die Cyber-Nabelschnur für die noch nicht abgenabelten. Das ist aber kein neues Bedürfnis, jeder ‘mammone’ zeigt es. Selbständigkeit war und bleibt schwierig. Das zeigen auch Moden. Ich verpasste den Natel-Trend im Aufbau, da ich “im Wald draussen” hauste (kein Empfang). Und: Erst das iPhone begriff ich sofort. Kein Daumen-Morsen, deshalb einfach zum Texten. Im übrigen ist es schon so, zum Gespräch das Gesicht, zur gelungenen Unterhaltung eine einladende Umgebung.

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