Auf der Suche nach dem perfekten CMS

Momentan evaluiere ich gerade einige Redaktionssysteme. Natürlich kenne ich die geläufigsten wie Typo3, WordPress, Joomla und Konsorte. Aber im web2.0 ist so einiges gegangen und für kleinere Kunden sind die grossen Biester einfach überdimensioniert. Was ich suche ist ein enorm einfaches CMS, deren Verwendung jedem noch so ungeübtem Benutzer auf den ersten Blick klar ist. Sich durch diverse Formulare und Menüs durchzuhangeln ist nicht gerade anwenderfreundlich. Für mich als Designer ist es ausserdem sehr wichtig, dass ein bestehendes Design mit wenig Aufwand integriert werden kann. Hier also mein kurzer Test verschiedener CMS Systeme.

Bei der Suche nach einem geeigneten CMS muss man sich erst einmal im Klaren sein, was man eigentlich sucht. Es gibt haufenweise Redaktionssysteme und um da nicht den Überblick zu verlieren ist es notwenig, wenn man sich zu Beginn der Suche schon einmal überlegt, welche Punkte für einen wichtig sind. Für mich sind dies folgende:

  • Einfache und schnelle Installation des Systems
  • Anwenderfreundliche Benutzung für den Enduser
  • Ein bestehendes Design ist schnell angepasst
  • Guter Editor für den Inhaltsbereich
  • Module wie Fotoalbum, Medienintegration, Formulare, News, …
  • Backend an das CICD meiner Firma anpassbar
  • Versionskontrolle der geänderten Seiten
  • Multilinguales System (nur englisch kann ich nicht brauchen)
  • Möglichkeit suchmaschinenrelevante Seiten zu erstellen (keywords, description, …)
  • Preis

Nach ein paar Stunden stand meine Wahl an CMS Systemen, welche ich genauer unter die Lupe nehmen wollte, fest. Es gibt im Prinzip zwei unterschiedliche Gruppen dabei:

Gruppe 1: webbasierte CMS Systeme
Bei diesen Systemen muss nichts auf dem eigenen Server installiert werden. Man eröffnet einen Account, fügt eine bestehende HTML Seite hinzu und man kann beginnen. Einfach, schnell und effektiv. Ein Nachteil dabei ist natürlich, dass man sich so von einem Anbieter abhängig macht: stellt dieser irgendwann seinen Dienst ein ist “fertig lustig”. Da sich jedoch diese webbasierten Lösungen sehr gleichen, ist es ein einfaches, seine Seiten für einen anderen Anbieter umzustellen. Dass gleich alle verschwinden ist wohl kaum der Fall.
Zu den bekanntesten Vertretern dieser Gruppe gehörten cushycms, surrealcms, pagelime. Das Frontend ist bei allen sehr einfach aber trotzdem relativ umfangreich gehalten. Es funktioniert auch praktisch identisch: Wenn eine Seite zur Bearbeitung freigegeben wurde, kann man diese editieren, indem direkt auf die einzelnen Bereiche, welche editiert werden können, geklickt wird. Der Block öffnet sich dann in einem Editor, welcher stark an tinymce erinnert. Mit Hilfe dieses Editors kann der Endanwender relativ einfach umgehen, da er stark an andere bekannte Texteditoren erinnert.


Für mich als Webdesigner sind diese Systeme perfekt, da jede beliebige Webseite mit enorm kleinem Aufwand bearbeitbar gemacht werden können: Seite hinzufügen, im Source-Code den zu editierenden Blöcken einen Klassennamen hinzufügen und fertig. Die Migration einer bestehenden Seite ist in wenigen Minuten gemacht. Ein entscheidender Faktor.

Mein Favorit in dieser Kategorie wäre wohl pagelime. Doch wird dieses momentan nur auf Englisch angeboten, was ich hier in der Schweiz nicht verantworten kann. Übersetzungen sollten jedoch in den nächsten Monaten gemacht werden, so dass es sich lohnt, dieses Projekt weiter zu verfolgen. Momentan würde ich mich wohl für surrealcms entscheiden.

Ein weiterer Mitstreiter in dieser Kategorie ist auch Adobe. In den AdobeLabs befindet sich das Tool “Adobe InContext”. Hier hätte man die Gewissheit, dass die Firma nicht einfach klanglos verschwindet, doch ob man sich von Adobe abhängig machen will, sei jedem frei gestellt. Das Projekt befindet sich noch im Betastadium und die Möglichkeiten sind auch nicht sehr umfangreich. Aber es kann gut sein, dass Bedienung und Umfang alle anderen hier vorgestellten Lösungen bald übertreffen werden. Da das Produkt momentan aber auch nur in Englisch angeboten wird und die Bearbeitungsmöglichkeiten limitiert sind, werde ich nicht näher darauf eingehen.

Die meisten webbasierten CMS werden mit einer monatlichen Gebühr von $20-$30 angeboten.

Gruppe 2: Installation auf eigenem Server
Der grösste Teil aller CMS-Systemen verlangt, dass diese auf einem eigenen Server installiert werden. Meist sind PHP + MySQL die Voraussetzungen dafür. Der Aufwand für die Installation ist in der Regel klein. Viele werden mit einem Installer mitgeliefert. Aber grundlegende Kenntnisse von der Technik muss man meist haben.

Als erstes möchte ich den Blick auf unify werfen. Die Tutorial-Videos auf ihrer Webseite machen einen sehr guten Eindruck des Systems. Leider ist es nicht möglich, die Software vor dem Kauf zu testen. Natürlich sind $16 nicht der Rede wert, doch bindet man die Software an eine bestimmte Domain, welche später nicht einfach geändert werden kann. Auch wenn unify einen sehr guten Eindruck macht, bin ich nicht bereit, diese Verkaufspolitik zu unterstützten. Schade. Ein weiterer Negativpunkt ist, dass auch dieses Produkt nur auf Englisch angeboten wird.
unify braucht übrigens keine Datenbank im Hintergrund. Einzige Voraussetzung ist, dass PHP5 installiert ist.

Momentan bin ich ausführlich mit dem Austesten von Concrete5 beschäftigt, welches mich bis jetzt absolut überzeugt. Das Produkt ist Open-Source und kostet einen also rein gar nichts. Eine bestehende Webseite zu migrieren ist mit geringem Aufwand möglich, auch wenn man doch etwas arbeiten muss. Innerhalb von ein paar Stunden habe ich es jedoch geschafft, eine bestehende Webseite für Concrete5 aufzuarbeiten. Wenn man einmal verstanden hat, wie es geht, sollte dieser Prozess natürlich noch einiges weniger Zeit in Anspruch nehmen.
Schön gelöst ist auch, dass man als Designer relativ einfach Stilvariationen zu Farben und Schriften einbauen kann. Einfach toll!



Auch wenn dieses System etwas komplizierter für den Endanwender sein kann, bietet es doch viele Vorteile gegenüber den webbasierten Lösungen. Es lässt sich insbesondere sehr einfach durch bestehende Module erweitern. So ist kein Problem, in seine Webseite ein Fotoalbum oder ein RSS-Feed einzufügen.
Ein weiterer grosser Vorteil ist, dass man auch neue Seiten zur bestehenden Webseite hinzufügen kann. Das Menü wird dann automatisch aktualisiert. Dies fehlt zur Zeit bei allen webbasierten Lösungen.

Zu guter letzt möchte ich euch noch ein wirklich hübsches CMS vorstellen: shwups-cms. Dieses Produkt wird von Tobias Buschor der shwups GmbH im Alleingang entwickelt. Am Dienstagabend habe ich ihn in seinem Büro in Weinfelden besucht und mir das CMS ausführlich erklären lassen. Die Möglichkeiten sind einfach toll und er arbeitet mit viel Herzblut an seinem “Baby”. Hier ist ein kreativer Mensch und ein Produkt, welches enorm viel potential hat. Leider gibt es für mich auch ein paar Abzüge. Zum einen wird das Produkt ausschliesslich von ihm entwickelt und vertrieben, was bedeutet, dass es auf eher wackligen Beinen steht. Wenn seine Firma – was ich nicht hoffe! – nicht rentieren soll, ist das ganze CMS weg. Da es eine Eigenentwicklung ist, lässt es sich auch nicht einfach auf ein anderes System migrieren. Auch das Frontend ist momentan noch nicht einfach genug und einige Menüs sollten einmal von einem Designer bearbeitet werden. Aber die Features sind grandios. So kann man beispielsweise ein Bild auf der lokalen Disk per Drag n’ Dop in die Webseite einfügen. Wenn mehrere Leute gleichzeitig an einer Seite arbeiten, werden die Änderungen gleich realtime(!) bei allen gleichzeitig erscheinen – natürlich ohne dass die Seite manuell neu geladen werden muss.
Leider ist der Preis für das System nicht vergleichbar mit den anderen hier vorgestellten Produkten. Für die Installation des Systems muss ein Betrag von 1800CHF verbucht werden. Auch wenn die Integration eines bestehenden Designs in der Regel einfach wäre, so wird dies in erster Linie von ihm gemacht.
Natürlich hat es auch Vorteile, wenn ein System nicht offengelegt wird. Wenn etwas nicht klappt, weiss man, mit wem man in Kontakt treten muss und ich bin mir sicher, dass Tobias sehr schnell und kompetent auf anstehende Probleme eingehen wird. Ich werde mit Tobias noch einige Gespräche führen, da das CMS potential hat. Doch vielleicht sollte man sich einmal grundlegend über das Marketing Gedanken machen. Ein innovatives Produkt mit einer innovativen Idee zu verknüpfen könnte das absolute Non-Plus-Ultra werden.

Und für welches CMS System entscheide ich mich nun? Kurz: das steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Meine Favoriten sind momentan surrealcms und Concrete5. PageLime werde ich mit Spannung weiterverfolgen, wie auch das Produkt von Adobe. Mit shwups-cms kann etwas Tolles auf die Beine gestellt werden. Daher werde ich auch da noch dran bleiben.


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1 Kommentar zu „Auf der Suche nach dem perfekten CMS“

  1. Pepoman sagt:

    Das mit Incontext Editing hat sich jezt ja mit Business Catalyst geklärt.
    Ich würde sagen man kann beides gut benutzen, Concrete5 und PageLime. Da muss man sich gar nicht entscheiden weil der Kunde dies für einen macht. Will der Kunde ab und an mann neue Seiten einfügen oder in Zukunft kleine änderungen vornehmen ist C5 wie geschaffen dafür, wenn man aber eine statische Webseite macht (Wie es früher der Fall war) muss man den Kunden nur noch davon begeistern lassen, dass er selbst den Text und die Bilder verändern kann. Ich finde die Webvarianten auch gut um den Content für eine Webseite zu sammeln.

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