Erstellt am 10. Mai 2010

Die Bastelkultur der Alemannen

Wunderbar waren die letzten 2 Wochen, die wir in Südfrankreich verbracht haben. Tolles Wetter (wenigstens die erste Woche), gutes Essen und eine fantastische Flora. Nun bin ich wieder zurück und schreibe die ersten News nach der Reise. Ich habe nicht vor, hier eine Unmenge privater Fotos zu veröffentlichen oder mich über schlechte Bedienung auszulassen, wie das heute gang und gäbe ist – übrigens hatten wir sowieso kein Grund zum stänkern.
Ich möchte bloss einen Gedanken anreissen, der mich seit meinen Ferien nicht mehr loslässt: wieso bastelt die Deutsche Gesellschaft bzw. Kultur so gerne?

Verlässt man die Schweiz Richtung Süden heisst es nicht nur von Servelats und Rösti Abschied nehmen, sondern auch von grässlich-bemalten Blumentöpfen, von Bauwerken, bei welchen man nicht sagen kann, ob diese Kunst darstellen sollen oder nur nützlich sind und von handgesägten Strassenschildern. Ruhe, Ordnung und Ästhetik kehren ein. Auch bei der Architektur hat man das Gefühl, hier wurden grundlegend andere Gedanken angestellt als bei uns. Wenn günstig bauen, dann konkret und sinnvoll – und immer auch den örtlichen Gegebenheiten angepasst.
Ich möchte keineswegs die Handarbeit schlecht machen – habe ich selbst doch seit den Ferien 3 Mützen gehäkelt. Es geht mir viel eher darum, dass ich partout nicht verstehen kann, warum wir Deutsche (gemeint ist hier die Deutsche Kultur, also auch die Deutsche Schweiz), uns ständig in Basteleien verwirklichen wollen und dabei oft noch das Gefühl haben, wir können alles auch selber umsetzen. Ein neuer Zaun? Kein Problem. Einfach mal in den Do-It-Yourself pendeln, das nötige einkaufen und loslegen. Dann noch ein paar hübsche Dekorationen anbringen und fertig ist die heimelige Grenze zum Nachbarn. Was diese Leute anstellen, ist mir eigentlich egal – sofern sie es in ihren eigenen vier Wänden machen. Richtig schlimm wird es, wenn sie den Computer als universelles Bastelinstrument entdecken und die ganze Welt mit Bildern, Einladungen und originellen Webseiten überschütten und sich dann noch als kompetente Grafiker und Designer ausgeben, so in etwa:

“He Christoph, ich habe eine neue Webseite. Mein Cousin hat diese für mich erstellt. Dieser Tausendsassa macht das auch noch so nebenbei. Schau dir die Seite doch einmal an und sag mir dann, was du davon hältst.”

Oh, nein. Das werde ich nicht machen. Dir und mir zuliebe. Meine Zeit opfere ich dann lieber diesen Seiten hier:

http://www.thebestdesigns.com
http://stylecrunch.com
http://thedesigninspiration.com

Auch scheint diese Neigung hin zu Basteleien auf dem Lande stärker vertreten zu sein als in städtischen Gebieten. Und wieder einmal frage ich mich, wo ich denn um himmelswillen eigentlich lebe!


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