Erstellt am 26. August 2009

E-Commerce Systeme: die Qual der Wahl

E-Commerce Systeme gibt es zu Hauf und alle paar Monate bin ich wieder dabei, ein geeignetes Shopsystem zu evaluieren. Mein erstes Shopsystem vor einigen Jahren war osCommerce. Da dieses jedoch schwer in die Jahre gekommen ist und die Weiterentwicklung ins Stocken geriet, war mir schon länger klar, dass es auch für mich eine Alternative geben sollte. Ich möchte in diesem Artikel einen kurzen Abriss geben, welche Shopsysteme für mich in die engere Auswahl gekommen sind, bzw. welche Systeme ich tatsächlich im Einsatz habe.

e-junkie

Schon seit längerer Zeit (gut 4 Jahre) setze ich für meinen Shop bei Rapid Ideas das Shopsystem von e-junkie ein. Dieses ist hervorragend geeignet, wenn man downloadbare Produkte verkaufen will (eBooks, Software, Bilder, …). Der Vorteil dieses Systems ist aber auch ein Nachteil: man ist in der Gestaltung des Shops absolut frei, da man ähnlich wie bei PayPal nur einen “Kaufen”-Button bei einem Produkt eintragen muss. Für Coder wie mich ist so etwas natürlich toll, doch wenn die Artikelanzahl wächst und wächst, hätte man gerne eine einfachere Verwaltung der Produkte. Ausserdem werden nur online Bezahlungsmittel angeboten (paypal, authorize.net, google, …). Das schöne an dem Dienst von e-junkie ist, dass der Shop einfach und gut funktioniert und alles automatisiert ist. Der Download der Produkte wird nach eingegangener Zahlung automatisch aktiviert und somit kann man ohne weiteres Zutun, das ganze für sich arbeiten lassen.

Die Kosten sind nicht wirklich hoch (ich bezahle monatlich USD $10 für diesen Service) und variieren je nach Anzahl der angebotenen Produkte.

e-junkie ist aus meiner Sicht für kleinere, individuelle Shops sehr zu empfehlen – sofern es downloadbare Produkte sind – aber wenn der eigene Shop etwas grösser werden sollte, so sollte man lieber zu einem wirklichen Shopsystem greifen. Auch sollte man eine minimale Ahnung von HTML haben, da der Code manuell eingegeben werden muss (klar: per Copy/Paste, aber trotzdem).

http://www.e-junkie.com

nopcart

Das frei verfügbare Script nopcart habe ich schon mehrmals eingesetzt. Auch hier gilt wieder: selber Hand anlegen ist angesagt. Und das noch um einiges stärker als bei e-junkie. Die Produkte werden via HTML-Formular in einen Warenkorb gelegt. Das System ist jedoch sehr übersichtlich und lässt sich seinen Bedürfnissen anpassen. Der Händler wie der Kunde erhalten anschliessend eine E-Mail mit den Angaben zur Bestellung. nopcart ist also in erster Linie ein Mail-Order Script. Auch wenn man noch andere Zahlungsmöglichkeiten einrichten kann, so habe ich diese nicht weiter beachtet, da diese auf den amerikanischen Markt ausgerichtet sind.

nopcart ist geeignet, sofern man etwas von HTML versteht. Das Produkt ist kostenlos und bietet einen einfachen Weg zum eigenen Online-Shop. Doch auch hier gilt: keine Produktverwaltung.

http://www.nopdesign.com/freecart/

zenCart

Mit zenCart stossen wir langsam zur Liga der Super-Online-Shop-Systeme auf. Es ist ein vollwertiges Shopsystem, weiterentwickelt aus osCommerce. Bei letzterem habe ich stets vermisst, dass der Shop einfach an das eigene Design angepasst werden konnte. Stunden, wenn nicht gar Tage habe ich damit verbracht, mich in den Source-Code ein zu arbeiten. zenCart ist da schon besser: es verwendet Stylesheets zur Gestaltung der Seite und die Sourcen sind etwas einfacher strukturiert. Ausserdem scheint das Produkt rege weiter entwickelt zu werden. Es bietet eigentlich alles, was man sich nur wünschen kann: Produktemanagement, viele Plugins und Vorlagen, Statistiken, etc. etc.

In den allermeisten Fällen ist ein solches System jedoch zu umfangreich und so nicht wirklich einfach zu handhaben. Ausserdem ist es mir in vielen Fällen im Layout zu starr und immer noch zu aufwändig, den eigenen Bedürfnissen an zu passen. Wenn man jedoch bereit ist, vom Design her gewisse Abstriche in Kauf zu nehmen, lohnt sich bestimmt ein Blick darauf. Für grosse Online-Shops für mich also oft eine gute Wahl.

http://www.zen-cart.at

Magento


Magento ist relativ neu (Release 1 im März 2008) und wurde begeistert von der Shop-Community aufgenommen. Magento ist schlicht die eierlegende Wollmilchsau und bietet schlicht alles, was man braucht. Da es nicht auf altem Code aufbaut, ist auch der Unterbau enorm modern. Praktisch alles ist äusserst modular aufgebaut und man kann den eigenen Shop genau so gestalten wie man will.

Aber: Magento scheint auch eine eigene Wissenschaft für sich zu sein. Um zu verstehen, wie alles funktioniert muss man bereit sein, vieles zu lernen. Dazu hatte ich keine Zeit und Lust, so dass eine genauere Ausführung hier nicht möglich ist. Trotzdem wollte ich dieses System kurz erwähnen, da es grosses Potential hat und mit dem Unterbau von osCommerce und deren Mitbewerbern aufräumt.

http://www.magentocommerce.com/de/

WP e-Commerce

Und als Abschluss kommen wir nun zu meinem derzeitigen Favoriten: WP e-Commerce. Dieses Shopsystem fügt man als Plugin in eine bestehende WordPress Site ein. Und wenn man noch kein WordPress haben sollte, so lohnt es sich oft schon, wegen dem Shopsystem allein WP zu installieren. Die Installation ist äusserst einfach und die Konfiguration ein Traum. Da es sehr viele WordPress Vorlagen gibt, hat man auch schnell ein schönes Design gefunden. Und wenn man zudem ein wenig CSS versteht, so ist es äusserst einfach, die Vorlage seinen Bedürfnissen an zu passen.

Das Plugin ist in der Grundversion kostenlos und bietet schon so ziemlich alles, was man braucht: Diverse Bezahlsysteme (paypal, Rechnung, …), ein Produkte-Handling mit Katalog, Kategorien, Tags, etc. Wer doch noch mehr will, kann sich weitere Module dazu kaufen (z.B. DropShop, mp3-Player, …).

Leider gibt es aber auch ein paar Punkte, die noch Verbesserungswürdig sind:

  • es gibt keine Möglichkeit verschiedene Sprachen zu wählen. Für einen Internationalen Shop unabdingbar (ausser man benutzt strikt einfach Englisch)
  • Verschiedene Währungen müssen bei jedem Produkt angegeben werden und können nicht gesamthaft geregelt werden
  • ein paar Bugs beim Upload und der Bearbeitung der Produkte-Bilder
  • mehr Freiheiten bei der Gestaltung

Ansonsten ist WP e-Commerce wärmstens zu empfehlen. Wenn man einmal mit diesem Shop gearbeitet hat und merkt, wie einfach es ist, Produkte zu verwalten, dann möchte man auf kein anderes Shopsystem mehr zurück. Und wenn obige Dinge noch eingebaut werden, wäre ich rundum glücklich.

http://www.instinct.co.nz/e-commerce/

Fazit: Die Qual der Wahl

Wie gesagt, ist dies nur ein grober Überblick einiger e-commerce Systeme. Es gibt davon hunderte und sich im Dschungel der existierenden Lösungen nicht zu verlieren, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Ich selbst habe bestimmt ein paar Dutzend andere Systeme unter die Lupe genommen, doch viele sind für mich wenig überzeugend.
Insbesondere auch punkto Programmierung der Systeme selbst: wenn ein Shopsystem noch immer Tabellen für die Formatierung braucht, kommt es für mich nicht in Frage. Was ich möchte, ist ein aktuelles System, welches sich durch den sauberen Gebrauch von XHTML+CSS auszeichnet. Die Mehrheit fällt somit schon durch.
Solltest du selbst auf der Suche nach weiteren Lösungen sein, so gibt die Seite:

http://www.open-source-shop-systeme.de

eine grosse Auswahl an frei verfügbaren Shopsystemen.

Hier noch kurz ein paar Tipps zur Wahl:

  • Wenn die Produkte als Download angeboten werden, lohnt sich ein Blick auf den Service von e-junkie
  • Will man einen sehr ausbaufähigen Shop und ist bereit, viel zu lernen, wäre Magento eine Möglichkeit
  • Für kleine Shops mit Bestellmöglichkeit per E-Mail ist nopcart vielleicht die richtige Lösung
  • zencart ist vielleicht etwas unflexibel von der Gestaltung her bzw. es braucht einigen Aufwand, den Shop anzupassen, bietet dafür viele Möglichkeiten.
  • Und falls der Shop irgendwo dazwischen liegt, man nicht unbedingt der Programmierer ist und trotzdem eine tolle Produktverwaltung wünscht, so ist WP e-Commerce ein sehr gutes Produkt.


VN:F [1.9.10_1130]
Rating: 10.0/10 (1 vote cast)
VN:F [1.9.10_1130]
Rating: +1 (from 1 vote)
E-Commerce Systeme: die Qual der Wahl, 10.0 out of 10 based on 1 rating

2 Kommentare

  • Christian sagt:

    Drupal mit Übercart sollte hier auch erwähnt werden… Sehr mächtiges Content Management System mit ebenfalls sehr mächtigen e-Commerce-System:

    http://www.drupal.org
    http://www.ubercart.org

    VA:F [1.9.10_1130]
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
    VA:F [1.9.10_1130]
    Rating: 0 (from 0 votes)
  • Das stimmt: Drupal mit Ubercart wäre bestimmt auch noch erwähnenswert gewesen. Leider hat mir die Zeit nicht gereicht, dies genauer unter die Lupe zu nehmen.
    Vielen Dank für den Hinweis.

    VN:F [1.9.10_1130]
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
    VN:F [1.9.10_1130]
    Rating: 0 (from 0 votes)