Erstellt am 13. Juli 2009

Wo ist das Geld, das nirgends ist?

Früher war ja alles einfacher. Ich rede nicht von der Zeit, als noch der Tauschhandel regierte: ich rede davon, als das Geld noch Geld war und physisch vom einen Ort zum nächsten transportiert wurde. Ich meine also die Zeit, als Postkutschen-Raub an der Tagesordnung war. Da wusste man immer, wo das liebe Geld gerade unterwegs war – oder besser gesagt “man hoffte es”. Selbst als ich noch eine Festanstellung hatte, hat mich das Thema kaum berührt: es gab einfach immer gegen Ende des Monats eine Überweisung auf meine Bank. Da konnte ich sicher sein.

Und heute als Selbständiger? Ich arbeite, schreibe eine Rechnung und schicke diese dem Kunden. Geld sehe ich noch keines. Erst irgendwann in hoffentlich naher Zukunft, wird die Zahlung dann getätigt. Und wem gehört nun das Geld? Buchhalterisch ist der Kunde, sobald er die Rechnung von mir erhält in meiner Schuld, d.h. ich bin sein Kreditgeber. Als Unternehmer bin ich also ob ich es will oder nicht, in den Bereich der Mikro-Kredit-Geldgeschäfte eingestiegen. Mein Kunde kann mit der Rechnung bzw. dem Schuldschein machen, was er will. Es soll ihn einfach daran erinnern, dass er mir bitte demnächst den Kredit wieder zurück bezahlt, meistens in Form einer Banküberweisung. Und jetzt beginnt sich mein Hirn noch weiter auf zu weichen. Der Kunde bezahlt seine Schuld und veranlasst die Zahlung auf der Bank. Während der Transaktion wird sein Geld von seinem Konto abgezogen. Dabei geht es meist einige Tage, bis ich den Betrag auf meinem Konto verbucht habe. Und wo ist das liebe Geld in der Zwischenzeit? Bei ihm ist es nicht mehr, bei mir noch nicht eingetroffen. Früher wusste man, dass es sich irgendwo in einer Kutsche auf dem Weg befand. Obschon es noch kein GPS gab, war die Lokalisierung trotzdem um einiges einfacher, als heute!
Heute ist das Geld mehrere Tage einfach verschwunden, im Nirwana oder einem Banken-Parallel-Universum – Wurmlöcher lassen grüssen. Das heisst: mehrere Tage ist das Geld dort, wo ich gerne wäre. Da käme Geld rein, ohne den Finger krumm zu machen. Klar: das Geld ist nur für ein paar Tage da, aber gut eingesetzt, könnte man damit gut jonglieren. Wenn ich mir vorstelle, was man damit alles Anfangen könnte. Unsummen werden täglich verschoben. Man könnte das ganze soziale Gefüge reorganisieren, Hungernde ernähren, eine Revolution in Gang bringen, die Weltherrschaft an sich reissen, sich alle nur erdenkliche Wünsche erfüllen. Und ganz unbewusst stellt sich bei mir ein etwas ungutes Gefühl ein: was ist, wenn dies alles schon der Fall ist? Was, wenn unmenschliche Barbaren und Terroristen dieses verheissungsvolle Land schon für sich entdeckt haben? Oder gar unsere Regierung? Und langsam, ganz langsam, macht sich bei mir Panik breit.


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  • brigitte sagt:

    Also da kann ich Dir mit 100% Sicherheit zurufen: Ja, so ist das!
    Während der meist dreitägigen Laufzeit wird mit dem Geld «gearbeitet», völlig normal und legal. Bankgeschäfte eben ;-) !

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