Ableton Live ist mein Lieblings-Sequencer auf dem Mac. Wie es der Name schon sagt, ist “Live” insbesondere für den “Live”-Betrieb konzipiert worden. Doch leider gibt es genau in diesem Bereich ein Problem, welches ein Kollege und ich schon zu spüren bekommen haben: die Synchronisation zweier Geräte, damit diese genau im Takt sind. Wie anderswo schon erklärt, benutzten wir damals (das ist schon gut fünf Jahre her) die Option, Geräte über das Netzwerk zu synchronisieren. So nebenbei: Apple ist auch in diesem Bereich Vorreiter, so dass kein anderes Tool benutzt werden muss, um MIDI-Daten über das Netzwerk bereit zu stellen.
Wir haben damals ein MacBook als Master und einen als Slave aufgesetzt, das heisst, 1 Mac liefert die Synchronisierungsdaten und der andere folgt diesem. Da wir aber gerne mit Plugins improvisieren, kam es zum Stocken des Masters und somit waren wir nicht mehr im Sync, was natürlich für Musik mit Beats zu ziemlichen Problemen führen kann. Kurzerhand mussten wir die Beats deaktivieren und in den “Ambient”-Bereich wechseln
Seit einigen Jahren bin ich nun auf der Suche nach der Lösung des Problems. Einzig das Auslagern der MIDI-Clock scheint in Betracht zu kommen. Nun gibt es etliche Hardware-MIDI-Clocks zu kaufen, doch war meine Idee, für die MIDI-Clock ein iPad oder iPhone einzusetzen. Diese haben Core-MIDI und können ihre Daten auch über das Netzwerk übertragen. Doch wie es schien, war kein Entwickler wirklich daran interessiert, eine MIDI-Clock für diese Geräte zu programmieren.
Bis nun endlich ein Produkt aufgetaucht ist:
Genome MIDI Sequenzer von whitenoiseaudio. Dabei handelt es sich um einen ausgewachsenen Patternsequencer für das Apple iPad. Der Clou dabei: dieses Programm kann auch MIDI-Clock Signale senden. Halleluja!
Natürlich habe ich die App gleich gekauft und möchte hier zeigen, wie man erstens Network-MIDI für den Mac konfiguriert und zweitens untersuchen, ob die Sache mit der Synchronisation auch wirklich funktioniert.
Die Konfiguration von Network MIDI
Leider werden mit der App kaum Anleitungen mitgeliefert. Insbesondere ist man vollkommen allein gelassen, wenn es darum geht, Network MIDI zu konfigurieren. Denn dazu sind einige Schritte notwendig – aber nur auf dem Mac. Klar muss man sich erst einmal via WIFI auf dem gleichen Netz befinden, aber ich denke, dies dürfte jedem klar sein. Ausserdem muss das Programm “Genome” auf dem iPad laufen. Nun die einzelnen notwendigen Schritte:
1) Audio-MIDI-Setup Programm öffnen, welches sich im Ordner: Programme->Dienstprogramme befindet
2) Falls das MIDI-Fenster nicht angezeigt wird: Menü “Fenster”->”MIDI-Fenster einblenden” wählen
3) Auf das Icon “Netzwerk” doppelklicken um die Konfiguration vorzunehmen
4) Im unteren Bereich “Verzeichnis” sollte das iPad auftauchen. Falls dies nicht der Fall sein sollte, bitte Netzwerk überprüfen und darauf achten, dass “Genome” auf dem iPad auch läuft
5) Nun bei “Meine Sessions” einen neuen Eintrag erstellen mit Klick auf das Plus-Icon. Neben diesem Fenster kann nun der Name für diese Konfiguration angegeben werden. Welchen Namen man wählt ist eigentlich egal. Dieser Name wird dann bei den MIDI-Einstellungen im Host-Programm (z.B. Ableton) auftauchen. Die restlichen Einstellungen kann man belassen, wie sie sind
6) Nun sollte man beim unteren Bereich “Verzeichnis” sich mit dem iPad verbinden können, indem man auf den Schalter “Verbinden” klickt.
Et voilà: Das iPad sendet nun seine MIDI-Daten an den Mac via WIFI.
Natürlich müssen jetzt noch die MIDI-Einstellungen im Sequenzer-Programm auf dem Mac vorgenommen werden.
Bei mir hat alles auf Anhieb funktioniert und ich konnte nun in Live die MIDI-Session als Eingang auswählen. Voller Freude testete ich nun die MIDI-Clock synchronisation. Doch leider ist diese absolut unbrauchbar. Bei jedem Signal ändert sich diese um +/- 1 BPM. Das liegt ziemlich sicher am Gebrauch des Netzwerks, um diese Daten zu übertragen. “Genome” ist aber in der Lage, auch MIDI-Daten über ein MIDI-Interface zu liefern. Da ich leider keinen Camera-Connector für das iPad habe, kann ich momentan nicht testen, ob das besser klappt. Ausserdem macht das für die Live-Synchronisation auch keinen Sinn, da so Unmengen an Kabel und Interfaces vom iPad zu den zwei Macs verlegt werden müssen. So wie es aussieht führt momentan kein Weg daran vorbei, ein Dritt-Mac eigens für die Synchronisation einzusetzen – oder aber, wir verzichten einfach auf den intensiven Gebrauch von Plugins in unseren Live-Sessions.
Fazit: Die MIDI-Clock über das Netzwerk ist in Genome unbrauchbar und somit nicht die Lösung für unser Problem.

